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Wie wird Borreliose übertragen?

Borreliosen sind bakteriell hervorgerufene Krankheiten. Die Infektion erfolgt während der Blutmahlzeit eines Überträgers. Bei uns in Europa spielen dabei Zecken die Hauptrolle. Sie übertragen die Lyme-Borreliose, die zwar nicht tödlich, aber ausgesprochen unangenehm verlaufen kann. Denn sie führt zu einem Krankheitsbild, mit dem man ein ganzes Leben lang zu kämpfen hat. Weiß man, wie eine Übertragung erfolgt, kann man sich dagegen schützen.

Welche Formen von Borreliose gibt es?

Im Wesentlichen rufen Borrelien zwei Erkrankungen hervor: Rückfallfieber und Lyme-Borreliose.

Das Rückfallfieber kommt bei uns lediglich als importierte Reisekrankheit vor und ist in Europa nur auf der iberischen Halbinsel und in der Türkei heimisch. Mehrere Borrelia-Arten kommen dafür infrage, und Überträger sind Läuse und Zecken. Entsprechend unterscheidet man Läuserückfallfieber und Zeckenrückfallfieber.

Die Borreliose, die bei uns am häufigsten vorkommt, ist die Lyme-Borreliose. In dem kleinen Ort Lyme in den USA hat man 1975 erstmals den Zusammenhang zwischen Zeckenstichen und Gelenksentzündungen erkannt. Die durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose ruft Borrelia burgdorferi hervor.

Lyme-Borreliose und Zeckenbiss: Wer beißt?

Die Zecke, die die Lyme-Borreliose vorwiegend überträgt, ist der Große Holzbock (Ixodes ricinus). Er gehört nicht zu den Insekten, sondern zu den Spinnentieren, kenntlich an seinen acht Beinen. Andere Tiere sind selten beteiligt, wie Sie unter Können auch andere Insekten bzw. Tiere Borreliose übertragen? nachlesen können.

Die Zecke durchläuft nach dem Schlüpfen aus dem Ei drei Entwicklungsstadien: Larve, Nymphe und erwachsenes Tier. In jedem dieser Stadien benötigt die Zecke eine Blutmahlzeit für die weitere Entwicklung. Die größte Rolle bei der Übertragung einer Borreliose spielen die Nymphen. Vor allem, weil sie noch kleiner und unscheinbarer sind als die erwachsenen Tiere. Nüchtern sind sie als kleine schwarze Punkte auf der Haut zu erkennen, die sich durch das Saugen von Blut vergrößern. So kann man sie leicht übersehen. Die erwachsenen Tiere sind immerhin stecknadelkopfgroß und leichter zu identifizieren.

Wann und wo liegen Zecken auf der Lauer?

Es herrscht der verbreitete Irrglaube, Zecken würden auf Bäumen hocken und sich fallen lassen, sobald jemand darunter entlanggeht. Das ist nicht der Fall. Sie sitzen auf Gräsern, Büschen und Sträuchern ungefähr auf Knie- oder Hüfthöhe. Dort warten sie, bis ein vorübergehendes Säugetier sie abstreift. Besonders aktiv sind sie bei Wärme und Feuchtigkeit, beispielsweise nach einem leichten Sommerregen. Dann ist die Gefahr, sich bei einem Spaziergang eine Zecke einzuhandeln am größten. Aber selbst in Herbst und Winter können sie zuschlagen, denn ab 5 °C werden sie aktiv. Zeckensaison ist von März bis Oktober. Näheres hierzu können Sie unter Tritt Borreliose zu einer bestimmten Jahreszeit auf? nachlesen.

Wie erkennt die Zecke ihre Opfer?

Einen potenziellen Wirt erkennen sie mithilfe des Hallerschen Organs am Ende ihrer Vorderbeine. In einer kleinen Grube sitzen feine, mit Chemorezeptoren ausgestattete Härchen. Damit kann der Holzbock riechen, ob es sich um ein geeignetes Opfer handelt. Typisch für Säugetiere sind bestimmte Komponenten von Atemluft und Schweißabsonderungen. Dazu gehören Kohlendioxid, geringe Mengen Ammoniak und Schwefelwasserstoff sowie organische Verbindungen wie Buttersäure.

Wie Sie sich vor einem Zeckenstich am besten schützen, erfahren Sie unter Behandlung & Vorbeugung. Denken Sie daran, dass Zecken tagelang in Ihrer Wohnung überleben können. Auch jene, die Waldi und Minka von ihren Ausflügen mit nach Hause bringen. Hund und Katze erkranken ebenfalls an Borreliose. Das können Sie unter Borreliose bei Tieren und Borreliose beim Hund nachlesen.

Was macht die Zecke, nachdem sie einen Wirt gefunden hat?

Sobald die Zecke ihr Opfer auserkoren hat, krallt sie sich daran in Sekundenbruchteilen fest. Danach macht sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für ihre Mahlzeit. Am liebsten sind ihr Orte mit dünner Haut, die gut durchblutet und schön feucht sind. Dazu gehören Kniekehlen, Armachseln und Genitalbereich. Bei Kindern setzt sie sich gerne an Kopf und Nacken fest.

Dort angekommen bohrt sie mit ihrem hoch entwickelten Stechapparat ein Loch in die Haut. Dazu verwendet sie die Kieferklauen (Cheliceren) ihrer Mundwerkzeuge. In dieses Loch führt sie ihren Stechrüssel (Hypostom) ein, der zahlreiche Widerhaken aufweist. Außerdem scheidet sie einen Klebstoff (Zement) aus, der zusätzlich für Haftung sorgt. So verhakt und verklebt lässt sie sich nicht mehr so leicht entfernen.

Daher übrigens der Name Ixodes – ιξός (ixós) bedeutet im Griechischen Mistel. Dieser Baumparasit verbreitet sich mithilfe von Vögeln, die seine klebrigen Beeren und Samen mit auf die Reise nehmen. Aus den Früchten hat man früher Leim hergestellt, den sinnigerweise schon die alten Römer zum Vogelfang verwendeten.

Streng genommen handelt es sich also nicht um einen Zeckenbiss, sondern um einen Zeckenstich. Ein solchen Plagegeist muss man fachgerecht entfernen, damit man das Infektionsrisiko nicht unnötig erhöht. Wie das geht erfahren Sie unter Zecken richtig entfernen und in unserem E-Book Ratgeber zum Thema.

Wie die Zecke Blut saugt

In die geöffnete Wunde fließt ständig Blut nach, das die Zecke aufsaugt. Normalerweise würde ihr die Blutgerinnung schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Aber ihr Speichel enthält ein blutgerinnendes Mittel, das die Wunde offen hält. Außerdem ist darin ein Betäubungsmittel enthalten, mit dem sie eine örtliche Betäubung vornimmt. Hinzu kommen entzündungshemmde Substanzen. So stellt sie sicher, dass das Opfer von ihrem Werk nichts mitbekommt.

Die Blutmahlzeit kann einige Tage andauern. Der Hinterleib der Zecke schwillt dabei so an, dass er dick und prall wird. Am Ende wiegt das Tier bis zum 200-fachen seines Normalgewichts. Damit ist der Holzbock noch bescheiden: andere Zeckenarten bringen es auf das 600-fache.

Hat sie sich vollgesogen, fällt sie ab. Mit dieser Reserve kann sie bis zu zehn Jahren ohne weitere Mahlzeiten überleben. Nach der Befruchtung legt sie bis zu 3.000 Eier und stirbt.

So gelangen die Erreger in den Menschen

Das Problem für den Wirt: Für die Zecke sind nur die nahrhaften festen Blutbestandteile von Interesse. Das Blutplasma gibt sie wieder zurück. Dummerweise ist dieses bei der Rückführung unter Umständen mit Borrelien verseucht. Die Bakterien leben im Mitteldarm des Holzbocks. Dementsprechend dauert es mindestens sechs Stunden, bis sie in die Wunde gelangen. Daher ist es wichtig, einen Zeckenstich frühzeitig zu erkennen und die Zecke zu entfernen. Denn je länger das Tier saugt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Übertragung von Borrelien kommt.

Auch wenn es wichtig ist, eine Zecke frühestmöglich zu entfernen, besteht nach einem Zeckenstich noch kein unmittelbarer Grund zur Panik. Nicht alle Zecken tragen Borrelien mit sich und selbst wenn Bakterien in die Blutbahn gelangen, kann das Immunsystem sie in den meisten Fällen erfolgreich bekämpfen.

Wie die Krankheit sich entwickelt, können Sie unter Diagnose & Verlauf nachlesen. Weitere Informationen zur Behandlung finden Sie unter Behandlung & Vorbeugung.

Literatur

  1. Viele weiterführende Informationen bieten wir Ihnen in unserem kostenlosen Ratgeber Borreliose an, den Sie sich als E-Book herunterladen können.
  2. Petra Hopf-Seidel: Krank nach Zeckenstich: Borreliose erkennen und wirksam behandeln. München 2008: Droemer Knaur Verlag. ISBN-10 3426873923. Hier auf amazon.de ansehen
  3. Norbert Satz: Klinik der Lyme-Borreliose. Bern/Göttingen (2009): Hogrefe/Verlag Hans Huber. 3. Auflage. ISBN-10: 3456847637
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