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Borreliosegefahr: Zeckenbiss in der Schwangerschaft

Schwangere sind nach einem Zeckenbiss oft unsicher, ob sie sich mit Borreliose infiziert haben und ob diese das ungeborene Kind schädigen kann. Unbegründet ist die Sorge keineswegs, denn die Bakterien sind in der Lage Fehlbildungen auszulösen, auch wenn das selten geschieht. Daher sind bei Verdacht auf Borreliose eingehende Untersuchungen und eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika angebracht, um mögliche Komplikationen zu vermeiden.

Ich bin schwanger und wurde von einer Zecke gebissen. Was soll ich tun?

Die gute Nachricht: Unmittelbarer Anlass zu Panik besteht deswegen nicht. Bedenken Sie, dass nicht jede Zecke mit Borrelien infiziert ist und bei frühzeitiger Entfernung des Blutsaugers keine Übertragung von Bakterien erfolgt. Selbst wenn einige Borrelien in Ihren Blutkreislauf gelangen, ist Ihr Immunsystem normalerweise in der Lage, dieser Eindringlinge Herr zu werden, ohne dass es zu einer Erkrankung kommt.

Eine andere durch Zecken übertragene Erkrankung, die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), wird durch Viren übertragen, ist aber für das ungeborene Kind unbedenklich. Dessen ungeachtet müssen Sie sich natürlich als Mutter behandeln lassen, wenn sie an FSME erkrankt sind.

Zeckenbiss im Auge behalten

In jedem Fall sollten Sie den Zeckenbiss im Auge behalten und sich von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Bei Verdacht auf Borreliose, vor allem bei Auftreten eines roten Hautausschlages rund um die Bissstelle sollte frühzeitig eine Behandlung stattfinden. Es wurden Fälle beschrieben, in denen Borrelia burgdorferi die Plazenta infiziert hat, was weder für die Mutter noch das Kind gut sein kann. Inzwischen gilt es als gesichert, dass die Bakterien sogar die Plazentaschranke überwinden können, die einen guten Schutz vor den meisten Krankheitserregern bietet. Dann können die Borrelien Fehlbildungen beim Embryo (sogenannte teratogene Effekte) auslösen. Dazu gehören in erster Linie krankhafte Veränderungen am Herzen, Nervensystem, Bewegungsapparat oder an der Haut.

Auf Nummer sicher gehen: Labor-Analyse

Einige Ärzte empfehlen sogar, bei einem Zeckenbiss in der Schwangerschaft das schnellstmöglich entfernte Tier in einem Labor mittels DNA-Analyse (DNA-Polymerasekettenreaktion, PCR) auf Borrelien untersuchen zu lassen. Von einigen dubiosen Selbsttests, die man im Internet käuflich erwerben kann, ist dringend abzuraten, wie sie unter Borreliose-Selbsttest nachlesen können.

Prävention der Borreliose während der Schwangerschaft

Wie so oft ist auch bei der Borreliose vorbeugen besser als heilen. Daher sollten Sie besonders während der Schwangerschaft bei Spaziergängen und Wandertouren im Freiland Kleidung tragen, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt. Dazu gehören lange Hosen, langärmelige Hemden oder Blusen und entsprechendes Schuhwerk. So können Sie verhindern, dass Zecken allzu leicht einen freien Platz auf Ihrer Haut ausfindig machen und sich festbeißen können.

Nicht in allen Regionen Deutschland sind Borrelien weit verbreitet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt alljährlich eine Karte der FSME-Risikogebiete heraus, die besonders gefährdet sind. Eine weitere Karte zu Lyme-Borreliose-Infektionserkrankungen stammt vom Leibniz-Institut für Länderkunde.

Bedenken Sie, dass die Zecken nicht wie vielfach angenommen auf Bäumen sitzen. Vielmehr warten sie in Sträuchern, Büschen und im Gras bis etwa in Hüfthöhe darauf, dass ein vorübergehender Wirt sie abstreift. Aktiv werden die Tiere bereits ab 5 °C und bei feuchtem und warmem Wetter fühlen sie sich besonders wohl. Die Hauptsaison für Zecken liegt zwischen März und Oktober. Näheres zu diesem Thema finden Sie unter Wie wird Borreliose übertragen?.

Einige Repellentien, chemische Substanzen zur Abwehr von Schädlingen, lassen sich auch zur Abwehr von Zecken einsetzen. Dabei sollte man jedoch beachten, dass man DEET (Diethyltoluamid) in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwenden darf. Alternativen sind Icaridin (Bayrepel®) oder EBAAP (Ethylbutylacetyl-aminopropionat).

Sollte sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Zecke festgebissen haben, muss man diese so schnell wie möglich entfernen. In der Regel dauert es eine Weile, bis die Borrelien übertragen werden, sodass eine rechtzeitige Beseitigung der Zecke dringend anzuraten ist. Achten Sie daher nach Spaziergängen auf ungewollte Mitbringsel. Eine Zecke darf man auf keinen Fall quetschen oder zerdrücken. Am besten geeignet ist eine Pinzette oder ein spezielles Instrument zur Zeckenentfernung, mit denen man das Tier möglichst nahe an der Hautoberfläche (niemals am Hinterleib!) fasst und langsam herauszieht. Weitere Informationen können Sie unter Zecken richtig entfernen oder in unserem E-Book Ratgeber nachlesen, den Sie sich kostenfrei herunterladen können.

Einen Impfstoff gegen Borreliose gibt es in Europa zurzeit leider nicht.

Zusätzliche Informationen zu Therapie und Prävention können Sie im Kapitel Behandlung & Vorbeugung nachlesen.

Behandlung der Borreliose in der Schwangerschaft

Das Robert-Koch-Institut rät in seinem Ratgeber zur Therapie der Borreliose ausdrücklich von einer prophylaktischen Antibiotikagabe nach Zeckenstich ab. Besteht jedoch berechtigter Verdacht auf Borreliose, kann eine Antibiotikatherapie den Krankheitsverlauf verkürzen und Komplikationen verhindern. Dabei muss man ein Antibiotikum wählen, das auch für das ungeborene Kind gut verträglich ist. Erfolgt eine solche Behandlung frühzeitig, sind Komplikationen und Auffälligkeiten beim Neugeboren ausgesprochen selten.

Wurde eine Borreliose sicher diagnostiziert, etwa anhand des Erythema migrans, empfiehlt man normalerweise die Behandlung mit Tetracyclinen wie Doxycyclin. Bei Schwangerschaft ist dieses jedoch streng kontraindiziert, da sich Tetracycline zusammen mit Calcium in Knochensubstanz und Zahnschmelz eingelagern und zu gelblichen Verfärbungen und Brüchigkeit führen. Daher sollten Schwangere ersatzhalber Penicillin, Amoxicillin oder Cefuroxim, bei Unverträglichkeit Azithromycin einnehmen.

Verlaufskontrolle der Borreliose während und nach der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sollte eine Borreliose auch bei Antibiotikatherapie engmaschig kontrolliert werden. Dabei ist es unbedingt notwendig, auch den Frauenarzt auf eine solche Behandlung hinzuweisen. Vielfach wird empfohlen, nach der Geburt Nabelschnurblut auf das Vorhandensein von Borrelien testen zu lassen, um eine Infektion des Kindes sicher ausschließen zu können. Bei Auffälligkeiten des Neugeborenen sollte man zudem die Plazenta untersuchen.

Litten Sie an einer akuten Borreliose, sollten Sie Ihr Kind im Alter von sechs bis sieben Monaten sicherheitshalber vom Kinderarzt durchchecken lassen. Lassen sich zu diesem Zeitpunkt keine Antikörper gegen Borrelien in seinem Blut nachweisen, können Sie eine vorangegangene Infektion im Mutterleib sicher ausschließen.

Ist Borreliose durch Stillen übertragbar?

Dazu ist bislang kein Fall bekannt. Lebende Bakterien konnte man bisher in der Muttermilch nicht nachweisen. Selbst wenn das der Fall wäre, würden die sehr empfindlichen Spirochäten das saure Milieu in Babys Magen keinesfalls überleben. Eine Übertragung über die Mundschleimhaut gilt ebenfalls als ausgesprochen unwahrscheinlich.

Daher können Sie beruhigt Ihr Kind stillen, selbst wenn Sie an einer Borreliose erkrankt sind. Dabei sollten Sie aber bedenken, dass bei einer Behandlung mit Antibiotika diese auch in die Muttermilch gelangen. Dadurch können sie unter Umständen Durchfälle beim Säugling auslösen.

Quellen

  1. Viele weiterführende Informationen bieten wir Ihnen in unserem kostenlosen Ratgeber Borreliose an, den Sie sich als E-Book herunterladen können.
  2. Petra Hopf-Seidel: Krank nach Zeckenstich: Borreliose erkennen und wirksam behandeln. München 2008: Droemer Knaur Verlag. ISBN-10 3426873923. Hier auf amazon.de ansehen
  3. Norbert Satz: Klinik der Lyme-Borreliose. Bern/Göttingen (2009): Hogrefe/Verlag Hans Huber. 3. Auflage. ISBN-10: 3456847637
  4. Maraspin V, Strle F (2009): How do I manage tick bites and Lyme borreliosis in pregnant women? Curr Probl Dermatol.;37:183-90. doi: 10.1159/000213076.
  5. Lakos A, Solymosi N (2010): Maternal Lyme borreliosis and pregnancy outcome. Int J Infect Dis. 14(6):e494-8. doi: 10.1016/j.ijid.2009.07.019.
  6. Silver RM1, Yang L, Daynes RA, Branch DW, Salafia CM, Weis JJ (1995): Fetal outcome in murine Lyme disease. Infect Immun. 63(1):66-72.

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