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Rückfallfieber

Die Lyme-Borreliose ist nicht die einzige von Borrelien übertragene Erkrankung. Das Rückfallfieber (lateinisch febris recurrens, englisch relapsing fever) zeichnet sich ähnlich der klassischen Malaria durch periodisch wiederkehrende Fieberschübe aus. In Deutschland ist das Rückfallfieber eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung, die schwere Verläufe nehmen kann und dringend medizinischer Versorgung bedarf.

Welche Formen von Rückfallfieber gibt es?

Eine Ansteckung mit Rückfallfieber erfolgt durch Läuse oder Zecken, die verschiedene Arten von Borrelia übertragen. Beim Läuse-Rückfallfieber (Epidemisches Rückfallfieber) ist das Borrelia recurrentis, beim Zecken-Rückfallfieber (Endemisches Rückfallfieber) hauptsächlich Borrelia duttoni, Borrelia hispanica und einige andere Spezies.

Als Überträger kommen Kleiderläuse oder seltener Kopfläuse beziehungsweise Lederzecken der Gattung Ornithodoros infrage. Die Bezeichnungen epidemisch oder endemisch weisen auf die Verbreitung hin: Das Läuse-Rückfallfieber kann sich durch die Verbreitung mit Läusen zu einer Epidemie entwickeln. Dahingegen beschränkt sich das Zecken-Rückfallfieber auf die endemischen Vorkommen der übertragenden Zecken.

Beide Formen des Rückfallfiebers sind in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Zecken-Rückfallfieber

Die natürlichen Vorkommen der Ornithodorus-Arten und seiner bakteriellen Untermieter beschränken sich auf vereinzelte Gebiete Amerikas (Borrelia mazottii), Zentral- Süd- und Ostafrikas (B. duttonii), den westlichen und südlichen Mittelmeerraum (B. hispanica) sowie den Nahen Osten, China, Indien und den Osten Russlands (B. persica). Als Wirte dienen den Borrelien vorwiegend Nager, über die sich die Lederzecken infizieren. Infizierte Zecken geben die Borrelien an ihre Nachkommen weiter.

Die Übertragung der Borrelien erfolgt ähnlich wie der Lyme-Borreliose während der Blutmahlzeit der Zecke. Allerdings findet eine Übertragung bei jeder Blutmahlzeit statt und nicht nur in Einzelfällen, da die Bakterien im Speichel der Zecken vorkommen.

In Europa kommen Lederzecken lediglich in Spanien und Portugal vor. In Deutschland tritt das Zecken-Rückfallfieber vorwiegend als Reisekrankheit auf und ist ausgesprochen selten.

Läuse-Rückfallfieber

Auch das Läuse-Rückfallfieber gilt in Deutschland als seltene Reisekrankheit, wobei es sich durch Läuse schnell ausbreiten kann. Die Erkrankung tritt vorwiegend im äquatorialen Afrika, Südamerika, Osteuropa, im Nahen und Mittleren Osten und einigen anderen asiatischen Gebieten auf.

Kopfläuse sind fast ausschließlich auf der behaarten Haut, Kleiderläuse auf der Kleidung zu finden. Dementsprechend findet eine Übertragung nur bei direktem Kontakt mit dem Patienten oder über seine Kleidung statt. Daher breitet sich das Läuse-Rückfallfieber bevorzugt dort rasch aus, wo Menschen unter schlechten hygienischen Bedingungen auf engstem Raum leben.

Die Kopf- oder Kleiderläuse infizieren sich bei der Blutmahlzeit an einem erkrankten Patienten. Daraufhin vermehren sich die Borrelien in der unserem Blut ähnlichen Hämolymphe der Läuse. Im Gegensatz zur Lyme-Borreliose ist eine Übertragung auf einen gesunden Patienten durch eine Blutmahlzeit nicht möglich, da eine Infektion des Verdauungstraktes nicht erfolgt. Daher kann sich ein Mensch nur mit Läuse-Rückfallfieber anstecken, wenn er die Quälgeister zerdrückt und so Kontakt mit der infizierten Hämolymphe hat. Die Erreger dringen über die intakte Haut, vor allem aber über Kratzwunden und Schleimhäute in den neuen Wirt ein.

Im Gegensatz zum Zecken-Rückfallfieber geben die Läuse die Borrelien nicht an ihre Nachkommen weiter.

Symptome des Rückfallfiebers

In ihrer Klinik sind die beiden Formen des Rückfallfiebers nicht voneinander zu unterscheiden. Bei beiden kommt es zu rezidivierenden Fieberattacken mit längeren fieberfreien Phasen dazwischen. Oft ist beim Zecken-Rückfallfieber der Verlauf schwerer und hält länger an. Die Sterblichkeitsrate beträgt bei nicht behandelter Erkrankung bis zu zehn Prozent.

Die Inkubationszeit liegt zwischen ein und zwei Wochen. Das Rückfallfieber manifestiert sich mit Schüttelfrost und extremem Fieber über 40 °C, das bis zu einer Woche anhält. Hinzu kommen beschleunigter Herzschlag, Atemnot, Bauchschmerzen, Husten und Kopf- und Gliederschmerzen. Die Erreger führen zu einer starken Vergrößerung der Milz und Gelbsucht durch Beteiligung der Leber. Die verstärkte Blutungsneigung verursacht Nasenbluten und punktförmigen Einblutungen auf der Haut. Gegen Ende des Fieberschubes tritt ein Hautausschlag am Körper auf.

Meist nach einer Woche, bisweilen später kehren die Symptome in periodischen Abständen wieder. Da das Immunsystem eine Immunität aufbaut, fallen die Episoden jedes Mal etwas schwächer aus als die vorangegangenen. Die Immunität ist zeitlich begrenzt, sodass das Rückfallfieber nach Jahren erneut mit voller Symptomatik auftreten kann.

Bei rund einem Drittel der Patienten kommen schwere neurologische Symptome hinzu, die zu halbseitigen Lähmungen, Krampfanfällen und komatösen Zuständen führen. Die Beteiligung des Gehirns, Herzentzündungen oder Leberversagen sorgen in einigen Fällen für einen tödlichen Verlauf. Die Erkrankung ist beim Läuse-Rückfallfieber in der Regel schwerwiegender als beim Zecken-Rückfallfieber. Letzteres führt jedoch öfters zu neurologischen Symptomen und Hirnhautentzündungen mit mitunter tödlichem Ausgang.

Diagnose des Rückfallfiebers

Da serologische Tests nur bedingt brauchbar sind, ist die klassische Mikroskopie des Blutes eines fiebrigen Patienten immer noch die sicherste Nachweismethode. Die typisch geformten Spirochäten sind unter dem Mikroskop leicht zu erkennen. Man verwendet die Dunkelfeldmikroskopie oder einen „dicken Tropfen“ Blut, der auf einem Objektträger wie ein normaler Blutausstrich mit der Giemsa-Methode angefärbt wird.

Auch die Therapie des Rückfallfiebers ist gefährlich

Die Bakterien lassen sich mit Antibiotika wie Tetrazyklinen oder Erythromycin bekämpfen. Der Haken bei der Sache ist, dass diese schnell und unmittelbar wirken und viele Bakterien auf einmal abtöten. Wenn sich diese auflösen, setzen sie große Mengen von Endotoxinen frei, auf die der Körper mit einer massiven Entzündungsreaktion reagiert. In der Folge kommt es zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Hautausschlägen, im Extremfall zum Zusammenbruch des Kreislaufes. Diese Begleiterscheinung einer antibiotikabedingten Freisetzung von bakteriellen Endotoxinen bezeichnet man als Jarisch-Herxheimer-Reaktion.

Daher ist es unbedingt notwendig, die Dosierung des Antibiotikums und die Zeitabstände der Einnahme peinlich genau einzuhalten. Nur so lässt sich die Jarisch-Herxheimer-Reaktion vermeiden und eine sichere Abtötung der Borrelien gewährleisten. Dementsprechend ist eine Behandlung unter ärztlicher Überwachung im Krankenhaus dringend anzuraten.

Läuse-Rückfallfieber in der Presse

Vereinzelt melden Presse und Fernsehen Fälle von Läuse-Rückfallfieber. Schlechte hygienische Bedingungen und mangelhafte medizinische Versorgung begünstigen das Anwachsen einer Läusepopulation. Daher kann sich das Rückfallfieber vor allem in Flüchtlingslagern und Massenquartieren von Kriegsgebieten zu einer regelrechten Epidemie ausweiten. Das gilt aktuell auch für Deutschland, wo vor allem Bayern vereinzelte Fälle der Erkrankung bei Flüchtlingen vom Horn von Afrika berichtet.

Literatur und Quellen

  1. Robert-Koch-Institut:
    • Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2016PDF
    • Epidemiologisches Bulletin 39/2016: Reiseassoziierte Infektionskrankheiten 2015PDF
    • Epidemiologisches Bulletin 33/2015: Läuserückfallfieber bei Migranten PDF
    • Steckbriefe seltener und imporierter Infektionskrankheiten 2011 – PDF
  2. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Merkblatt Läuse-RückfallfieberPDF
  3. Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern: Kleiderlausbefall in Gemeinschaftseinrichtungen – PDF
  4. Fingerle V, Ackerman N, Belting A, Hoch M, Liebl B et al.: Zur aktuellen Situation des Läuserückfallfiebers. Hyg Med 2016; 41(11): D174–D178.
  5. Cutler SJ: Relapsing Fever Borreliae: A Global Review. Clin Lab Med. 2015 Dec;35(4):847-65.
  6. Cutler SJ: Relapsing fever–a forgotten disease revealed. J Appl Microbiol. 2010 Apr;108(4):1115-22.
  7. El-Bahnsawy MM, Labib NA, Abdel-Fattah MA, Ibrahim AM, Morsy TA: Louse and tick borne relapsing fevers. J Egypt Soc Parasitol. 2012 Dec;42(3):625-38.

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